Dienstag, 6. Mai 2014 Kölner Stadtanzeiger

Fabian Hochscheid zeigt Werke unter dem Titel „Kleine Toaster und andere Vertrautheiten

Der rätselhafte Riss

VON JÜRGEN KISTERS

Der Künstler Fabian Hochscheid liebt Fußball, Hardrockmusik und die detailgenaue Malerei der Alten Meister. Wie sich all das zusammenbringen lässt, ist das besondere Kunststück seiner eigenen Malerei, ausgestellt in der Galerie im Bezirksrathaus Ehrenfeld. Die kleine exklusive Bildauswahl macht mit einem Maler bekannt, der schafft, was nur wenigen Künstlern seiner Generation gelingt: die Verbindung der realistischen malerischen Tradition von Renaissance und Barock mit der Freiheit der künstlerischen Moderne.

Denn man muss nicht alles über den Haufen werfen, um künstlerisch zeitgemäße Aussagen zu treffen. Vielmehr sind die alten Darstellungsformen unvermindert kraftvoll und aktuell, wenn es einem Künstler gelingt, grundlegende Erfahrung in vertrauten Motiven zum Ausdruck zu bringen.

„Kleine Toaster und andere Vertrautheiten“ betitelt Hochscheid seine Schau. Und die entfaltet in unterschiedlichen Perspektiven all die kulturellen und sozialen Selbstverständlichkeiten, die unser gegenwärtiges Leben gleichermaßen so vielgestaltig und verwirrend machen.

Mit kraftvollen Farben und souveräner anatomischer Kenntnis bei der Darstellung von Menschen und Dingen bringt der Künstler detaiigenau teure Autos, Pfeifenreiniger oder ein zerrissenes Plakat der Rockgruppe Aerosmith auf die Leinwand.

Mit sicherem Gespür für die geheimnisvolle Dimension unseres Lebens kombiniert er Szenen aus Opernaufführungen, von Goldfischen im Glas und banalen Alltagsgegenständen. Das Vertraute erkennbar und zugleich fremd werden zu lassen, lautet Hochscheids künstlerisches Konzept.

Wie Szenen aus Träumen erscheinen manche Bilder. Der Versuch, sie zu deuten, führt zu überraschenden Erinnerungen und Vertracktheiten aus der Geschichte des jeweils eigenen Lebens. Durchkreuzt werden sie von Aspekten der GeseJlschafts-, Kunst-und Kulturgeschichte. Hochscheids Malerei macht erfahrbar, wie nah Vernunft und Verrücktheit, die realistische Sicht auf die Dinge und surrealistische Rätselhaftigkeit beieinander liegen.

Sein Mittel, das darzustellen, besteht darin, in ungezwungener Freiheit die unterschiedlichen Figuren und Dinge in einem Gemälde miteinander zu kombinieren. So wird im Bauch eines aufgeplatzten Schiffsrumpfes das überdimensionierte Bein eines Menschen sichtbar.

Zusätzlich zu dieser verwirrenden Situation ist unsicher, ob es . sich um die Darstellung eines aufgerissenen Schiffes handelt, oder ob die Leinwand des Gemäldes beschädigt ist, und wir daher hinter das Gemälde schauen können. So präzise und „echt“ ist Hochscheid in der Lage, Risslinien und Faltenwürfe zu malen.

Geschickt verschiebt und variiert er darüber hinaus Größenverhältnisse, um für weitere Verunsicherung zu sorgen. Die Ausstellung führt vor Augen, welch spezieller Zauber noch immer von der detailgenauen realistischen Malerei ausgeht, wenn uns die Motive berühren und betreffen.

Hochscheids Bilder lassen allerdings auch spüren, wie stark die Tendenz .ist, nicht nur auf eine schöne Oberfläche zu schauen, sondern sie durchbrechen zu wollen. Dahinter gibt es noch eine andere Welt. Und bei all dem beharrt Hochscheid auf der erzählerischen Dimension von Malerei, die sich mit Fragen nach dem Sinn und Unsinn unseres Lebens beschäftigt.

Fabian Hochscheid ist ein Meister der realistischen Malerei und der surrealistischen Komposition.